Du hast für dich entschieden, vegan zu leben. Vielleicht fühlt sich diese Entscheidung inzwischen ganz selbstverständlich an.
Doch spätestens beim gemeinsamen Abendessen zeigt sich: Du lebst nicht allein.
Dein Partner möchte weiterhin seine gewohnten Gerichte essen.
Die Kinder haben ihre Lieblingsessen. Beim Wochenendeinkauf landen unterschiedliche Produkte im Wagen.
Und plötzlich stellt sich eine ganz praktische Frage:
Wie funktioniert veganes Leben, wenn die Menschen, mit denen du deinen Alltag teilst, nicht vegan leben?
Ihr könnt unterschiedliche Ernährungsweisen haben und trotzdem weiterhin gemeinsam essen.
Gemeinsam essen bedeutet nicht, dass alle das Gleiche essen müssen.
Oft braucht es weniger Veränderung, als es zunächst scheint. Eine gemeinsame Basis, unterschiedliche Ergänzungen und ein entspannter Umgang mit verschiedenen Vorlieben können vieles einfacher machen.
Essen ist mehr als die Summe der Zutaten auf unserem Teller.
Wir kaufen gemeinsam ein, kochen füreinander, sitzen zusammen am Tisch und haben Gerichte, die seit Jahren zum Familienalltag gehören.
Verändert eine Person ihre Ernährung, verändert sich deshalb häufig auch ein kleiner Teil dieser gemeinsamen Routinen.
Untersuchungen zu Ernährungsumstellungen innerhalb von Partnerschaften zeigen, dass beispielsweise die Planung gemeinsamer Mahlzeiten und die Organisation des Alltags zu Herausforderungen werden können.
Vielleicht kennst du einige dieser Situationen:
Du möchtest nicht jeden Abend zwei vollständige Gerichte kochen.
Dein Partner möchte nicht auf seine gewohnten Lebensmittel verzichten.
Die Kinder möchten heute genau das essen, was sie immer essen.
Und eigentlich möchtest du einfach nur gemeinsam am Tisch sitzen, ohne aus dem Abendessen eine tägliche Organisationsaufgabe zu machen.
Dafür braucht es vor allem Lösungen, die zu eurem Alltag passen.
Einer der einfachsten Ansätze für Haushalte mit unterschiedlichen Ernährungsweisen ist das Baukastenprinzip.
Statt von Anfang an zwei verschiedene Gerichte zu planen, überlegst du:
Welchen Teil der Mahlzeit können alle gemeinsam essen?
Und danach:
Welche Bestandteile lassen sich individuell ergänzen?
So können aus einer gemeinsamen Grundlage unterschiedliche Teller entstehen.
Pasta
Die gemeinsame Basis könnte beispielsweise aus Nudeln, Gemüse und einer Tomatensauce bestehen.
Dazu kommen verschiedene Ergänzungen:
Linsen, Bohnen, Tofu oder veganes Hack für deine Variante und andere Zutaten für diejenigen, die anders essen möchten.
Die Hauptarbeit bleibt dieselbe.
Bowls
Bowls eignen sich besonders gut für unterschiedliche Vorlieben.
Reis, Quinoa oder ein anderes Getreide bilden die Grundlage.
Dazu kommen Gemüse und Salat.
Tofu, Kichererbsen, Bohnen, Avocado, verschiedene Dips und weitere Zutaten können separat auf den Tisch gestellt werden.
Jeder stellt sich seinen Teller selbst zusammen.
Wraps und Tacos
Auch hier funktioniert das Prinzip fast von selbst.
Wraps oder Tacos kommen auf den Tisch, daneben verschiedene Füllungen.
Salat, Tomaten, Mais, Bohnen, Gemüse, Guacamole und vegane Saucen können genauso dazugehören wie individuelle Ergänzungen der anderen Familienmitglieder.
Ofengerichte
Kartoffeln und Gemüse lassen sich gemeinsam vorbereiten und im Ofen garen.
Dazu können unterschiedliche Dips, Proteinquellen oder weitere Beilagen serviert werden.
Brotzeit oder Abendbrot
Auch die einfachsten Mahlzeiten funktionieren nach diesem Prinzip.
Brot, Gemüse und Salat sind die gemeinsame Grundlage. Verschiedene Aufstriche und Beläge sorgen dafür, dass jeder seinen eigenen Teller zusammenstellen kann.
Das sind keine Gerichte, die jeder mögen muss. Sie zeigen vielmehr ein Prinzip:
Du brauchst nicht für jede Ernährungsweise eine komplett eigene Mahlzeit. Suche nach dem Teil, den ihr gemeinsam nutzen könnt.
Nicht unbedingt.
Genau hier kann das Baukastenprinzip viel Arbeit sparen.
Aus:
„Ich brauche ein veganes und ein nicht veganes Abendessen.“
wird:
„Was können wir gemeinsam vorbereiten und was ergänzen wir individuell?“
Manchmal werden trotzdem zwei unterschiedliche Gerichte auf dem Tisch stehen.
Auch das ist völlig in Ordnung.
Vielleicht möchtest du heute ein Curry und dein Partner etwas ganz anderes. Vielleicht essen die Kinder Reste vom Vortag. Nicht jede Mahlzeit muss nach einem bestimmten Konzept funktionieren.
Das Ziel lautet nicht:
Alle essen immer ein gemeinsames Gericht.
Viel hilfreicher ist:
Gemeinsames Essen so einfach wie möglich gestalten.
An manchen Tagen bedeutet das eine gemeinsame Mahlzeit. An anderen unterschiedliche Teller am gleichen Tisch.
Beides ist gemeinsames Essen.
Bevor du nach vollkommen neuen Familienrezepten suchst, lohnt sich ein Blick auf das, was ihr bereits gern esst.
Denn möglicherweise sind einige eurer Lieblingsgerichte ohnehin vegan oder lassen sich mit kleinen Veränderungen als gemeinsame Basis nutzen.
Wenn du noch am Anfang deiner Umstellung stehst, findest du die wichtigsten Grundlagen in „Vegane Ernährung für Anfänger“.
Zum Beispiel:
Gemüsesuppe
Pasta mit Tomatensauce
Kartoffelgerichte
Gemüsecurry
Chili mit Bohnen
Salate
Wraps
Ofengemüse
Vielleicht entdeckt ihr dabei sogar Gerichte, bei denen niemand darüber nachdenkt, ob sie nun vegan sind.
Und genau das kann den Alltag angenehm machen.
Es geht nicht darum, deine Familie mit besonders raffinierten veganen Gerichten zu überzeugen.
Ein gemeinsames Lieblingsessen darf einfach ein gemeinsames Lieblingsessen sein.
Unterschiedliche Ernährungsweisen bedeuten nicht, dass ihr zwei vollkommen getrennte Einkaufswagen braucht.
Viele Grundnahrungsmittel können alle nutzen:
Obst
Gemüse
Kartoffeln
Reis
Pasta
Brot
Getreide
Hülsenfrüchte
Kräuter und Gewürze
Dazu kommen die Lebensmittel, die einzelne Familienmitglieder für sich möchten.
Ein einfacher Wochenplan kann helfen, den Einkauf übersichtlich zu halten.
Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt Wochenplanung und Einkaufslisten als praktische Unterstützung für gemeinsame Mahlzeiten und Einkäufe.
Dabei braucht kein minutiöser Speiseplan für sieben Tage zu entstehen.
Es reicht möglicherweise schon zu wissen:
Montag Pasta
Dienstag Ofengemüse
Mittwoch Curry
Donnerstag jeder nach Lust und Vorrat
Freitag Wraps
So kannst du gemeinsame Zutaten gezielter einkaufen und gleichzeitig individuelle Ergänzungen einplanen.
Und noch etwas darf ganz selbstverständlich sein:
Ein Kühlschrank kann unterschiedliche Lebensmittel enthalten.
Nicht jedes Produkt darin muss zu deiner persönlichen Ernährungsweise gehören, damit deine eigene Entscheidung Bestand hat.
Wie ihr das in eurem Haushalt handhabt, entscheidet ihr gemeinsam.
Dieser Punkt wird leicht übersehen.
Vielleicht hast du bisher meistens für die Familie gekocht. Nach deiner Umstellung entsteht nun zusätzlicher Aufwand, weil unterschiedliche Wünsche berücksichtigt werden sollen.
Dann muss die Lösung nicht automatisch lauten:
Du kochst weiterhin für alle und zusätzlich dein eigenes Essen.
Wenn unterschiedliche Ernährungsweisen mehr Planung oder Vorbereitung verursachen, könnt ihr auch neu überlegen, wie ihr die Aufgaben verteilt.
Wer kauft ein?
Wer kocht?
Wer bereitet individuelle Ergänzungen zu?
Kann sich jeder um bestimmte Bestandteile selbst kümmern?
Dafür gibt es keine allgemeingültige richtige Aufteilung.
Entscheidend ist, dass eine Ernährungsumstellung nicht unbemerkt zu einer dauerhaften zusätzlichen Aufgabe für eine einzelne Person wird.
Vielleicht findet dein Partner deine Entscheidung interessant.
Vielleicht probiert deine Familie gern dein Essen.
Vielleicht ist das Interesse eher überschaubar.
Alle drei Varianten sind möglich.
Du kannst erklären, warum du dich für eine vegane Ernährung entschieden hast. Du kannst Fragen beantworten und dein Essen teilen.
Aber du brauchst nicht aus jeder gemeinsamen Mahlzeit eine Gelegenheit zu machen, andere von deiner Entscheidung zu überzeugen.
Genauso wenig brauchst du deine eigene Entscheidung bei jedem Essen neu zu rechtfertigen.
Untersuchungen zu vegan und vegetarisch lebenden Menschen zeigen, dass im sozialen Umfeld unterschiedliche Strategien genutzt werden, um mit verschiedenen Ernährungsnormen umzugehen. Dazu gehören unter anderem Information und das Vorleben der eigenen Entscheidung.
Für deinen Alltag kann deshalb eine einfache Haltung hilfreich sein:
Du darfst deinen eigenen Weg gehen und anderen ihren lassen.
Wenn jemand dein veganes Gericht probieren möchte, schön.
Wenn jemand lieber etwas anderes isst, kann auch das Teil eines entspannten gemeinsamen Essens sein.
„Aber warum isst du das jetzt nicht mehr?“
„Ein bisschen Käse wird doch wohl gehen.“
„Ich könnte niemals vegan leben.“
Vielleicht kennst du solche Kommentare.
Manchmal steckt echtes Interesse dahinter. Manchmal Gewohnheit. Und manchmal möchte jemand schlicht diskutieren.
Du kannst entscheiden, wann du darüber sprechen möchtest.
Eine ausführliche Erklärung deiner Ernährungsweise gehört nicht automatisch als Beilage zu jeder Mahlzeit.
Ein ruhiger Satz kann völlig ausreichen:
„Für mich passt es so gut.“
oder:
„Du kannst gern anders essen als ich.“
Damit wertest du weder deine eigene Entscheidung noch die des anderen ab.
Und wenn ihr grundsätzlich über unterschiedliche Einstellungen sprechen möchtet, gibt es dafür vielleicht einen besseren Moment als das gemeinsame Abendessen.
Hier ist eine wichtige Unterscheidung sinnvoll.
Wenn du vegan lebst, deine Kinder aber nicht, geht es zunächst um dieselbe praktische Frage wie beim Partner:
Wie organisiert ihr gemeinsame Mahlzeiten mit unterschiedlichen Vorlieben?
Auch hier können Basisgerichte und individuelle Ergänzungen hilfreich sein.
Eine andere Frage ist:
Soll mein Kind selbst vegan ernährt werden?
Das ist nicht das Thema dieses Artikels.
Kinder haben je nach Alter und Entwicklungsphase besondere Anforderungen an ihre Nährstoffversorgung. Eine vegane Ernährung von Kindern sollte deshalb fachlich gesondert betrachtet und sorgfältig geplant werden. Die Verbraucherzentrale weist ebenfalls auf die besonderen Anforderungen und die Bedeutung fachlicher Beratung hin.
Wir trennen diese beiden Fragen bewusst voneinander.
Du kannst euren Familienalltag Schritt für Schritt an die unterschiedlichen Essgewohnheiten anpassen.
Schau zunächst auf eure häufigsten Mahlzeiten.
Welche drei Gerichte esst ihr regelmäßig?
Und dann prüfe:
Gibt es bei einem davon bereits eine gemeinsame Basis, die sich mit unterschiedlichen Zutaten ergänzen lässt?
Vielleicht ist es die Pasta am Dienstag.
Vielleicht sind es die Wraps am Wochenende.
Vielleicht stellt ihr beim nächsten Mal einfach mehrere Zutaten auf den Tisch und jeder baut sich seinen eigenen Teller.
Eine kleine Veränderung reicht für den Anfang.
Wenn du herausfinden möchtest, welcher Bereich deines veganen Alltags gerade besondere Aufmerksamkeit verdient, hilft dir der kostenlose Alltagsvegan Navigator, deinen nächsten passenden Schritt zu finden.
Damit du deinen veganen Weg gehen kannst, während andere ihren eigenen gehen.
Vegan zu leben, während Partner oder Familie anders essen, braucht manchmal etwas Organisation.
Aber ihr müsst deshalb nicht zwei getrennte Küchen führen.
Eine gemeinsame Basis, unterschiedliche Ergänzungen, ein wenig Planung und eine faire Verteilung des Aufwands können vieles erleichtern.
Noch wichtiger ist vielleicht etwas anderes:
Deine Entscheidung muss nicht zur Entscheidung deiner gesamten Familie werden, damit sie für dich richtig sein darf.
Ihr könnt unterschiedliche Lebensmittel mögen, unterschiedliche Gewohnheiten haben und trotzdem gemeinsam am Tisch sitzen.
Manchmal esst ihr das gleiche Gericht mit unterschiedlichen Ergänzungen. Manchmal stehen verschiedene Teller auf dem Tisch.
Beides ist gemeinsames Essen.
Nicht alle müssen gleich essen, damit Essen verbindet.
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisicing elit. Autem dolore, alias, numquam enim ab voluptate id quam harum ducimus cupiditate similique quisquam et deserunt, recusandae.
Erstellt mit © systeme.io