Du stehst im Supermarkt und hältst ein Produkt in der Hand.
Milch? Nicht zu sehen.
Ei? Auch nicht.
Honig? Nein.
Eigentlich sieht alles gut aus.
Und dann entdeckst du Begriffe wie E 120, E 904, Mono- und Diglyceride oder Aromen.
Spätestens jetzt kann aus einem schnellen Einkauf eine kleine Recherche werden.
Gerade am Anfang einer veganen Ernährung entsteht leicht der Eindruck, man müsse erst eine lange Liste mit Zusatzstoffen und E-Nummern auswendig lernen, bevor man sicher einkaufen kann.
Viel hilfreicher ist es, drei Dinge unterscheiden zu können:
Welche Zutaten sind eindeutig tierischen Ursprungs?
Bei welchen Zutaten lässt sich die Herkunft am Namen allein nicht erkennen?
Und wann kannst du dir die Recherche durch eine eindeutige Vegan-Kennzeichnung sparen?
Erkennen statt auswendig lernen.
Mit diesem Prinzip wird das Lesen von Zutatenlisten mit der Zeit immer vertrauter.
Wenn du gerade erst vegan startest und dir zunächst einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen wünschst, findest du ihn in „Vegane Ernährung für Anfänger“.
Für deinen Alltag ist das nicht nötig.
Bei Milch, Butter, Ei oder Honig ist die Sache relativ eindeutig.
Andere Zutaten tragen Namen, die ihre Herkunft nicht erkennen lassen.
Ein gutes Beispiel ist Karmin beziehungsweise E 120. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein roter Farbstoff tierischen Ursprungs, der aus Cochenilleschildläusen gewonnen wird.
Auch Schellack beziehungsweise E 904 ist tierischen Ursprungs. Schellack wird aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen und kann beispielsweise als Überzugsmittel eingesetzt werden.
Daneben gibt es Stoffe, bei denen es komplizierter wird: Ihre Bezeichnung verrät nicht eindeutig, ob sie pflanzlichen, synthetischen oder tierischen Ursprungs sind.
Und schließlich gibt es Verarbeitungshilfsstoffe, die bei der Herstellung eines Lebensmittels verwendet werden können, später aber nicht unbedingt auf der Zutatenliste auftauchen müssen.
Die Verbraucherzentrale weist deshalb darauf hin, dass sich allein anhand der Zutatenliste nicht in jedem Fall sicher feststellen lässt, ob ein Lebensmittel vegan ist.
Das klingt zunächst kompliziert.
Für deinen Alltag lässt sich das Ganze aber gut sortieren.
Einige Begriffe kannst du relativ schnell erkennen.
Dazu gehören natürlich bekannte Zutaten wie:
Milch
Butter
Molke
Casein beziehungsweise Kasein
Ei
Honig
Gelatine
Daneben gibt es einige weniger offensichtliche Stoffe.
Karmin / Echtes Karmin / Cochenille / E 120
Karmin ist ein roter Farbstoff tierischen Ursprungs. Er wird aus weiblichen Cochenilleschildläusen gewonnen.
Du kannst ihn beispielsweise in bestimmten Süßwaren oder anderen gefärbten Produkten finden.
E 120 = nicht vegan.
Schellack / E 904
Schellack wird von Lackschildläusen gebildet und kann unter anderem als Überzugsmittel verwendet werden.
Die Verbraucherzentrale nennt Schellack beispielsweise im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln und Überzügen.
E 904 = nicht vegan.
Gelatine
Gelatine wird aus tierischem Kollagen hergestellt.
Sie kann unter anderem in:
Süßwaren
Desserts
Kapseln
Gelees
vorkommen.
Auf Zutatenlisten ist sie normalerweise deutlich als Gelatine bezeichnet.
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt dieses Artikels.
Im Internet findest du zahlreiche Listen mit angeblich „nicht veganen E-Nummern“.
Dabei wird manchmal zu stark vereinfacht.
Bei bestimmten Zusatzstoffen oder Zutaten kann die Herkunft unterschiedlich sein. Derselbe Stoff kann je nach Herstellungsverfahren beispielsweise aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen stammen.
Deshalb wäre eine Liste nach dem Schema:
„Diese E-Nummer ist immer tierisch“
in solchen Fällen nicht korrekt.
Besser ist diese Unterscheidung:
Milch, Molke, Ei, Honig → eindeutig tierisch → Produkt nicht vegan
Gelatine → eindeutig tierisch → Produkt nicht vegan
E 120 / Karmin → eindeutig tierisch → Produkt nicht vegan
E 904 / Schellack → eindeutig tierisch → Produkt nicht vegan
Stoffe mit variabler Herkunft → nicht allein am Namen bestimmbar → Vegan-Kennzeichnung oder Herstellerinformation prüfen
„Kann Spuren von Milch enthalten“ → keine Milch als Zutat → Spurenhinweis richtig einordnen
Du brauchst also nicht jeden unbekannten Begriff automatisch als problematisch einzustufen.
Unbekannt bedeutet nicht automatisch tierisch.
Wenn die Herkunft tatsächlich entscheidend und anhand der Verpackung nicht erkennbar ist, kannst du nachsehen oder dich für ein eindeutig als vegan gekennzeichnetes Produkt entscheiden.
Jetzt kommen wir zu einem etwas überraschenden Punkt.
Bei der Herstellung von Lebensmitteln können sogenannte Verarbeitungshilfsstoffe eingesetzt werden.
Sie erfüllen während der Produktion eine bestimmte Aufgabe und werden anschließend beispielsweise wieder entfernt. Unter bestimmten Voraussetzungen müssen solche Stoffe im fertigen Lebensmittel nicht in der Zutatenliste erscheinen.
Das kann unter anderem bei der Herstellung beziehungsweise Klärung von Wein und bestimmten Säften eine Rolle spielen.
Dabei können tierische Stoffe eingesetzt werden. Die Verbraucherzentrale nennt unter anderem Gelatine sowie bei Wein auch Fischbestandteile als mögliche Hilfsstoffe.
Das bedeutet:
Eine Zutatenliste kann auf den ersten Blick vollständig pflanzlich aussehen und trotzdem nicht jeden Stoff zeigen, der während der Herstellung eingesetzt wurde.
Für deinen Alltag folgt daraus aber nicht, dass du nun bei jedem Apfelsaft den Hersteller anschreiben musst.
Es gibt eine wesentlich einfachere Orientierung.
Wenn ein Produkt eine verlässliche Vegan-Kennzeichnung trägt, musst du nicht jede einzelne E-Nummer selbst überprüfen.
Beim veganen V-Label beispielsweise gehen die Kriterien über die offensichtlichen Zutaten hinaus.
Berücksichtigt werden unter anderem Zutaten, Zusatzstoffe, Aromen, Enzyme, Trägerstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe.
Das kann den Einkauf deutlich vereinfachen.
Wichtig ist aber auch die andere Richtung:
Ein Produkt muss kein V-Label tragen, um vegan zu sein.
Viele vegane Lebensmittel besitzen keine entsprechende Zertifizierung.
Eine Dose Kichererbsen wird beispielsweise nicht dadurch vegan, dass ein Vegan-Siegel darauf gedruckt wird.
Ein Vegan-Label ist also keine Voraussetzung für ein veganes Lebensmittel.
Es ist eine praktische Orientierungshilfe, besonders bei stärker verarbeiteten Produkten oder Zutaten, deren Herkunft du selbst nur schwer beurteilen kannst.
Dieser Satz sorgt gerade am Anfang häufig für Unsicherheit:
„Kann Spuren von Milch enthalten.“
Oder:
„Kann Spuren von Ei enthalten.“
Vielleicht hast du deshalb schon einmal ein Produkt zurück ins Regal gestellt.
Hier lohnt sich die Unterscheidung zwischen Zutat und Spurenhinweis.
Steht Milch in der Zutatenliste?
Dann wurde Milch als Zutat verwendet.
Das Produkt ist nicht vegan.
Steht dort nur „Kann Spuren von Milch enthalten“?
Dann bedeutet der Hinweis nicht, dass Milch als Zutat eingesetzt wurde.
Solche Angaben weisen auf mögliche unbeabsichtigte Spuren hin, die beispielsweise entstehen können, wenn in derselben Produktionsstätte auch milchhaltige Produkte hergestellt werden.
Auch Produkte mit veganem V-Label können entsprechende Spurenhinweise tragen. Das V-Label erklärt ausdrücklich, dass solche unbeabsichtigten Kontaminationen einer Vegan-Kennzeichnung nicht grundsätzlich entgegenstehen.
Für den Einkauf kannst du dir deshalb merken:
„Enthält Milch“ und „Kann Spuren von Milch enthalten“ bedeuten nicht dasselbe.
Für Menschen mit Allergien sind solche Hinweise natürlich aus einem ganz anderen Grund wichtig.
Das ist von der Frage zu unterscheiden, ob Milch bewusst als Zutat eingesetzt wurde.
Tierische Bestandteile können grundsätzlich in sehr unterschiedlichen verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen.
Einige Produktgruppen sind für unseren Einkaufscheck aber besonders interessant.
Süßigkeiten
Hier können beispielsweise vorkommen:
Gelatine in Fruchtgummis oder anderen Süßwaren.
Karmin / E 120 als roter Farbstoff.
Schellack / E 904 als Überzugsmittel.
Viele Süßigkeiten sind inzwischen klar als vegan gekennzeichnet. Dann wird die Auswahl entsprechend einfacher.
Backwaren
Bei Brot, Brötchen, Gebäck oder Kuchen können beispielsweise:
Milch
Butter
Molke
Ei
enthalten sein.
Bei verpackten Backwaren hilft die Zutatenliste.
Bei loser Ware kannst du bei Bedarf nachfragen.
Hier lohnt sich ebenfalls ein genauer Blick.
Nicht nur der eigentliche Wirkstoff ist entscheidend. Auch die Kapselhülle oder der Überzug kann
tierischen Ursprungs sein.
Hart- und Weichkapseln können beispielsweise Gelatine enthalten. Es gibt allerdings auch pflanzliche Kapselhüllen, etwa aus Cellulose.
Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln ist deshalb eine eindeutige Vegan-Kennzeichnung besonders praktisch.
Wein und Säfte
Hier liegt die Besonderheit weniger in der sichtbaren Zutatenliste.
Bei der Herstellung können Klärungs- oder Verarbeitungshilfsstoffe eingesetzt werden, die tierischen Ursprungs sein können und später nicht unbedingt in der Zutatenliste erscheinen.
Eine Vegan-Kennzeichnung kann deshalb gerade bei Wein die Auswahl vereinfachen.
Jetzt machen wir aus all dem einen Einkaufscheck, den du tatsächlich verwenden kannst.
Schritt 1: Gibt es eine eindeutige Vegan-Kennzeichnung?
Ja?
Dann hast du bereits eine sehr hilfreiche Orientierung.
Nein?
Weiter zu Schritt 2.
Schritt 2: Schau auf die Zutatenliste
Enthält sie eindeutig tierische Zutaten wie:
Milch
Molke
Butter
Ei
Honig
Gelatine?
Dann ist die Sache geklärt.
Schritt 3: Achte auf einige eindeutige Stolperstoffe
Für den Anfang reichen bereits zwei wichtige Nummern:
E 120 = Karmin = tierisch
E 904 = Schellack = tierisch
Du brauchst keine 30 E-Nummern zu lernen.
Schritt 4: Ordne Spurenhinweise richtig ein
Steht dort nur:
„Kann Spuren von Milch enthalten“
oder
„Kann Spuren von Ei enthalten“,
wurden diese Stoffe nicht automatisch als Zutaten verwendet.
Der Hinweis betrifft mögliche unbeabsichtigte Spuren.
Schritt 5: Ist die Herkunft eines Stoffes unklar?
Dann hast du zwei einfache Möglichkeiten:
Du kannst den Stoff kurz nachschlagen.
Oder du entscheidest dich für ein eindeutig als vegan gekennzeichnetes Produkt.
Damit kannst du weitergehen, statt zehn Minuten vor dem Regal Lebensmittelchemie zu studieren.
Je öfter du Zutatenlisten liest, desto schneller erkennst du bestimmte Begriffe wieder.
Was am Anfang noch fremd aussieht, wird mit der Zeit vertraut.
Wenn dir ein Stoff unbekannt ist, kannst du ihn einfach kurz nachschlagen. Das Smartphone ist beim Einkauf ohnehin meistens dabei.
Nachschauen gehört einfach dazu, wenn dir ein Stoff noch nicht vertraut ist.
Niemand kennt sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe auswendig.
Entscheidend ist, dass du weißt, worauf du achten kannst und wo du im Zweifel verlässliche Informationen findest.
Ein unbekannter Begriff auf einer Zutatenliste bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt nicht vegan ist.
Das ist wichtig, weil sonst schnell der Eindruck entstehen kann, veganes Einkaufen sei eine Art Detektivarbeit.
Das ist es im Alltag meistens nicht.
Du kannst dich an einigen klaren Punkten orientieren:
Eindeutig tierische Zutaten erkennst du direkt.
Einige wenige Zusatzstoffe wie E 120 und E 904 kannst du dir merken.
Bei Stoffen mit variabler Herkunft hilft eine Vegan-Kennzeichnung oder bei Bedarf eine kurze Recherche.
Spurenhinweise kannst du von tatsächlichen Zutaten unterscheiden.
Für deinen ersten veganen Einkauf reicht eine klare Orientierung. Vollständige Kenntnis sämtlicher Herstellungsverfahren ist dafür nicht erforderlich.
Mach es dir beim nächsten Einkauf bewusst einfach.
Nimm dir zunächst ein neues Produkt vor.
Schau auf die Zutatenliste.
Prüfe:
Ist eine eindeutig tierische Zutat enthalten?
Taucht E 120 oder E 904 auf?
Gibt es eine Vegan-Kennzeichnung?
Handelt es sich nur um einen Spurenhinweis?
Für den Anfang reicht das.
Mit jedem Einkauf werden dir mehr Begriffe vertraut vorkommen. Irgendwann greifst du bei vielen
Produkten ganz selbstverständlich zu, weil du sie bereits kennst.
Du bist dir bei einem Produkt oder einer typischen Alltagssituation noch unsicher?
Dann nutze den kostenlosen Alltagsvegan-Navigator. Mit ein paar kurzen Fragen findest du schnell heraus, welche Orientierung dir gerade weiterhilft.
Darin findest du die wichtigsten Punkte noch einmal übersichtlich für unterwegs.
Ein Spurenhinweis bedeutet nicht, dass Milch als Zutat verwendet wurde.
Er weist auf mögliche unbeabsichtigte Spuren hin, die beispielsweise durch die Herstellung anderer Produkte in derselben Produktionsstätte entstehen können.
Auch vegan gekennzeichnete Produkte können solche Hinweise tragen.
Kann ich anhand der Zutatenliste immer erkennen, ob ein Produkt vegan ist?
Nicht immer.
Bestimmte Verarbeitungshilfsstoffe müssen unter bestimmten Voraussetzungen nicht in der Zutatenliste erscheinen.
Das kann beispielsweise bei Wein oder Säften eine Rolle spielen.
Eine verlässliche Vegan-Kennzeichnung kann hier zusätzliche Orientierung geben.
Ist ein Produkt ohne Vegan-Label automatisch nicht vegan?
Nein.
Viele vegane Lebensmittel tragen kein Vegan-Label.
Das Siegel ist eine praktische Orientierungshilfe, aber keine Voraussetzung dafür, dass ein Produkt vegan ist.
Muss ich alle nicht veganen E-Nummern kennen?
Nein.
Für den Alltag ist es hilfreicher, einige eindeutig tierische Stoffe wie E 120 und E 904 zu kennen und unbekannte Stoffe bei Bedarf nachzuschlagen.
Mit der Zeit werden dir viele Begriffe ohnehin vertraut.
Versteckte tierische Zutaten können den veganen Einkauf zunächst komplizierter wirken lassen, als er im Alltag tatsächlich ist.
Ein paar Grundlagen reichen schon erstaunlich weit.
Offensichtliche tierische Zutaten wie Milch, Ei, Honig oder Gelatine erkennst du direkt.
Wenn du gerade erst vegan startest und dir zunächst einen Überblick über die Grundlagen wünschst, findest du diese in meinem Artikel „Vegane Ernährung für Anfänger“.
E 120 und E 904 kannst du dir als zwei eindeutige tierische Zusatzstoffe merken.
Spurenhinweise lassen sich von tatsächlichen Zutaten unterscheiden.
Und bei Produkten mit einer verlässlichen Vegan-Kennzeichnung bekommst du zusätzliche Orientierung.
Für den Anfang reicht das.
Mit der Zeit kennst du deine Produkte, deine Marken und deine Lieblingsalternativen.
Und wenn dir morgen doch wieder eine unbekannte E-Nummer begegnet?
Dann schaust du sie kurz nach.
Das reicht völlig.
Eine Zutatenliste soll dir helfen, eine Entscheidung zu treffen. Sie ist keine Prüfung, die du bestehen musst.
So wird aus anfänglicher Unsicherheit nach und nach Routine.
Und veganes Einkaufen vor allem eines:
einfacher.
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